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Flüchtlinge in Videospielen [Version: Artikel]


Flüchtlinge in Videospielen

Anmerkung: Dieser Artikel wurde zuvor bereits von mir als Hausarbeit am Gymnasium Munster abgegeben, wer das Original lesen will kann das hier tun. In dieser Version wurden die Belege entfernt und Bilder, sowie Links eingefügt um das lesen angenehmer zu gestallten. Außerdem wurden Fehler behoben und die Gliederung beseitigt.


Flüchtlinge als wichtige Thematik
Flüchtlinge sind seit Jahren ein wichtiges Thema, weltweit warten aktuell 19,5Millionen Menschen auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. Allein in Deutschland gab es 2015 bis September 274.923 Erstanträge auf Asyl. Deshalb ist das Thema in den Medien sehr präsent, in der ARD Mediathek gibt es beispielsweise 300 Ergebnisse zum Stichwort Flüchtlinge. Doch gilt das auch für Videospiele?

Was sind Videospiele
Das Videospiel ist ein junges Medium, welches 1958 mit „Tennis for Two“ seinen Anfang nahm. Videospiele sind außerdem Interaktiv, sie können mit den richtigen Mitteln durchaus auch bei ernsthafteren Themen zum Nachdenken anregen. Das hat erst vor kurzem „Life is Strange“ bewiesen, indem es sich nicht vor Themen wie Sterbehilfe, Drogen und Selbstmord versteckte.

Ein erfolgreiches Spiel über Flüchtlinge
Papers Please
Im Jahr 2013 erschien „Papers Please“, es ist das erste erfolgreiche Spiel, welches das Thema Flüchtlinge behandelt. Im Spiel übernimmt man die Rolle eines namenlosen Grenzbeamten im fiktiven Staat Arstotzka. In diesem herrscht zwar ein totalitäres Regime, aber man überlebt dort. Je länger man spielt, desto härter werden die Einreisebedingungen. Im Laufe des Spieles merkt der Spieler, weist der Spieler Menschen ab, schicke er sie manchmal in den Tod und kommt so in einen Gewissenskonflikt, denn wenn er einen Menschen heimlich doch in das Land lässt, fliegt er auf und muss eine Geldstrafe bezahlen. Allerdings braucht der Spieler das Geld, denn ohne wird die eigene Familie krank und hungert. Dadurch regt das Spiel zum Nachdenken an. Obwohl das Spiel nur von einer Person entwickelt wurde und deshalb nur eine geringe grafische Qualität und einen geringen Umfang bietet, kommt es sowohl bei den Spielern als auch bei der Fachpresse gut an und fährt gute Wertungen ein.
Nun stellt sich die Frage, warum erst 2013 und nicht schon früher? Das könnte mit den in diesem Zeitraum weltweit steigenden Flüchtlings zahlen
zusammen hängen, waren 2005 noch weltweit 37,5 Millionen Menschen auf der Flucht, waren es bereits 2013 51,2 MillionenMenschen. Somit könnte natürlich auch die mediale Aufmerksamkeit für dieses Thema gestiegen sein und Spiele zu dem Thema konnten werden erfolgreicher.

Modifikationen zum Thema Flüchtlinge
Aber es gab auch schon vor „Papers Please“ Spiele die sich mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt haben, wie „Escape from Woomera“. Das Spiel ist allerdings eine Modifikation zum Spiel Half Life, das beutet man kann diese nicht ohne
das Spiel „Half-Life“ spielen und sie kann nicht ohne die Zustimmung des ursprünglichen Entwicklers verkauft werden. Im Spiel übernimmt man die Kontrolle über einen Flüchtling aus dem Irak, der aus dem australischen Flüchtlingslager Woomera entkommen soll. Das im Spiel dargestellte Flüchtlingslager Woomera gibt es wirklich. Da es kaum Fotos oder Filme davon gibt, weil Journalisten dort keinen Zutritt hatten, ist das Spiel hauptsächlich durch Interviews mit ehemaligen Insassen entstanden. „Was wir getan haben, war politisch“ erklärte die Entwicklerin Neil im Interview, aus der GameStar. Das Spiel sollte sogar gestoppt werden weil es Fördergelder erhalten hatte und angeblich Tipps zum Ausbruch gab. Für die australische Regierung handelte es sich um ein brisantes Thema, da das Lager für 500 Menschen geplant war, zeitweise aber 1500 Menschen darin lebten. Das ganze sei laut Neil „[e]in Konzentrationslager“ gewesen. Wegen dieser und anderer Vorwürfe, vor allem durch internationale Menschenrechtsorganisationen, wurde das Lager 2003 geschlossen. Allerdings spielte das Spiel auch danach kaum jemand, da das Installieren einer Modifikation immer einen hohen Aufwand erfordert und diese nicht beworben werden kann.
Ein anderes Spiel, „Frontiers“ hatte ähnliche Probleme. Auch hier geht es um eine echte Problematik, in diesem Spiel übernimmt ein Spieler die Kontrolle über einen afrikanischen Flüchtling und ein anderer über einen Grenzsoldaten. Jedes Gebiet im Spiel soll eine reale Fluchtsituation darstellen. Um das Spiel zu realisieren sind die Entwickler nach Ceuta gereist, um mit Flüchtlingen vor Ort zu sprechen. Das Ziel des Entwicklers war es, dass die Spieler durch dieses „Erleben“ später, „wenn sie in den Medien damit konfrontiert werden, einen neuen Zugang zur Thematik bekommen“, so Sonja Prlic. Obwohl das Spiel durch das österreichische Kunstministerium ausgezeichnet wurde gibt es kaum Spieler, da auch dieses Spiel, dadurch das es eine Modifikation ist, schwer zugänglich ist.

Independent Spiele
Ein ähnliches Problem wie die Modifikationen haben Independent Titel, auch Indiespiele genannt, wie „Freedom Bridge“ (Unbedingt Link anklicken und spielen [!]). Denn auch diese Titel sind meist unbekannt.

Spiele von Menschenrechtsorganisationen
Es gibt außerdem noch Spiele, die im Auftrag von Menschenrechtsorganisation
programmiert werden. Diese sind einfach zugänglich und für ältere Kinder entworfen worden, um diese für Flüchtlinge zu sensibilisieren und zu Spenden aufzurufen.
Eines dieser Spiele ist „Against All Odds“ (auch sehr unterhaltsam), das von der UNHCR
entwickelt wurde. Man spielt als eines von sieben Kindern, alle erleben dieselbe Geschichte. Im Spiel muss man aus einem totalitären Regime fliehen und dabei Entscheidungen treffen, die manchmal über das Gelingen der ganzen Flucht entscheiden. Das Spiel bleibt dabei aber immer kinderfreundlich. „Against All Odds“ ist zwar minimalistisch, erfüllt aber dennoch seinen Zweck, indem es zum Nachdenken anregt.
Ein anderes dieser Spiele ist „Dafur is Dying“, welches in Zusammenarbeit mit der Human Rights Foundation und der Crisis Group entstand. Das Spiel erzählt die Geschichte einer Familie aus Dafur. Es ist sehr einfach gehalten, man holt Wasser für ein Flüchtlingscamp und unterstützt den Aufbau auch durch andere einfache Aufgaben.

Warum gibt es nur wenige Videospiele zum Thema Flüchtlinge
Der Grund, warum es nur wenig Spiele zu diesem Thema gibt, ist vermutlich das erhöhte Risiko. Große Spielfirmen investieren ihr Geld nicht, da es riskant ist Ärger mit den Regierungen zu bekommen, so wie bei „Escape from Woomera" und so ihr teures Produkt nicht auf den Markt gelangen kann. Dadurch entsteht das Problem, dass es hauptsächlich Modifikationen, wie „Frontiers“, und Indiespiele, wie „Freedom Bridge“, zu dem Thema gibt, die wiederum ein viel geringeres Publikum ansprechen.
Warum wir mehr Videospiele mit Flüchtlingen als Thema brauchen
Die beiden Spiele „Against All Odds“ und „Dafur Is Dying“ sind ein tolles Beispiel dafür, wie Spiele über Flüchtlinge sinnvoll eingesetzt werden können. Nämlich, um zum Spenden für Menschenrechtsorganisation aufzurufen und um aufzuklären. Eine Studie von Peng, Lee und Heeter belegt, dass Menschen die zuvor Dafur Is Dying gespielt haben, eine höhere Bereitschaft haben zu Spenden, als Personen die vorher einen Text über die gleiche Situation gelesen haben.

Fazit
Es gibt also durchaus Videospiele die Flüchtlinge in den Vordergrund stellen, aber diese entstehen fast nie aus kommerziellem Interesse, sondern durch Aktivisten und Menschenrechtsorganisation die Aufklären oder Spenden sammeln wollen. Dies muss nichts Schlechtes sein, denn es erfüllt durchaus seinen Zweck. Trotzdem muss man sagen, dass im Bereich der Videospiele die Flüchtlinge deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als in anderen Medien. Damit sich daran etwas ändert, ist es notwendig, dass Kunden mithelfen und Spiele wie „Papers Please“ kaufen, damit dies kein Einzelfall bleibt. Dann wagen sich vielleicht auch größere Spielfirmen an diese Thematik und wir können mehr ernsthafte Titel in der Videospielbranche bewundern. Aber bis dahin wird wohl noch viel Zeit vergehen.

Kommentare

  1. Auch schön zum Thema, das Spiel der Heute Show: http://www.heute-show.de/zdf/artikel/133711/super-lageso.html

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